Mit der Gol (genau die Fluggesellschaft, die über dem Urwald abgestürzt ist) bin ich freitags nach Conghonas geflogen. Das erste Mal nur mit Handgepäck, keine Koffer und nichts.Sao Paulo ist eine Stadt, für die man viiieelll Geduld mitbringen muss. Schlangestehen, Warten, überall. Dies zeigte sich bereits am Flughafen. Auf der Suche nach Camila, Treffpunkt bei den Taxis, war ich erstmal baff. Ungelogen, eine 1000 Leute Schlange und trotz allem, dass es durch eine 2-spurige Taxistraße schnell voran ging, die Schlange wollte und wollte nicht aufhören. Nach 5 Min machte ich Stopp und drehte wieder um - gegen den Strom. Wie sich herausstellte gab es 2 Decks mit Taxis, ich war natürlich auf dem falschen. Camila und Diego, ihr Neffe, warteten bereits eins weiter oben auf mich. Seit September das erste Mal wieder gesehen - erstmal lange drücken. Hungrig ging es danach zum Pizzaessen zum Pizza Hut. Nächste Schlange - Parkplatz. Wie in der Estacione gab es einen Parkplatzmann, der uns 5 vor 12 mitteilte, dass wir das letzte Auto wären, dass noch parken darf. Um 12 schließt nämlich der Pizzahut. Nächste Schlange - Warten auf einen freien Tisch und anmelden der Personenzahl. Marcelo kam sozusagen zur Mittagspause noch dazu, parken durfte er zwar nicht mehr, aber eintreten durfte er ausnahmsweise noch. Er arbeit bei 2 Laboratorien, das bedeuten in Brasilien 2mal 9 Std. Arbeit! Keine Ahnung wie er das schafft, aber in den letzten beiden Jahren hat er bestimmt nicht viel geschlafen. Diese Woche hört er aber bei einer auf, u.a. weil das unheimlich schlaucht und auch weil er studieren will. Für ihn hieß es nach einer Giga-Pizza weiterarbeiten, für uns ab nach Hause. 7 cm auf der Karte und bestimmt eine 3/4 Std Fahrt ohne Stau. Bei Nacht darf man auch über rote Ampeln fahren, weil es extrem gefährlich sein kann, anzuhalten. Aber auch das drüberfahren kann extrem gefährlich werden. Camila und Marcelo wohnen im 18 Stock. Lift funktionierte. Super Aussicht. Eine kleine aber superschöne eingerichtete Wohnung. Das Condominio bietet Parkhaus und Pool, außerdem war gleich gegenüber ein kleiner Park, Shoppingcenter, Supermarkt, Metro. Vom Bad hingegen direkter Blick auf eine Favela. Die sind in Sao Paulo wirklich an jeder Ecke.

Nach einem Frühstück mit Cuckne (die haben doch tatsächlich deutschen Streuselkuchen, mit Banane!!) und 3 Std. Schlaf für Marcelo (mehr braucht er angeblich nicht) machten wir uns auf zum Park Ibirapuera. Der Central Park Sao Paulos. Wie alles gigantisch groß! Es gibt dort neben See und Grünflächen: Planetarium, Pavillion Japanes (mit Kois), Fahrradverleih, überdachte Fläche zum skaten und inlinen, Museen, Skulpturen... Täglich min. 20.000 Besucher. Ausgerechnet hier in der Großstadt hab ich dann auch meinen ersten Kaffeebaum in Brasilien gesichtet. Die weißen Samen, die man aus der roten Schlae drückt, schmecken sogar ganz leicht nach Kaffee, wenn man sie lutscht. 3 Schritte weiter war eine Skulptur - Kunst zum Anfassen - gegen die man Steine werfen konnte. Das ganze machte Geräusche wie der Beamstrahl von Scotti ;)

Zum Mittagessen waren wir mit der Mama von Camila verabredet. Nach ziemlicher Verspätung zum einen durch Stau (wieder sozusagen Schlangestehen) und "kurzem" Umweg zur Familie von Marcelo, gab es fritierte Mandioca, Reis mit Bohnen, Rindfleisch und Salat. Und zum Nachtisch eine sehr leckere Maracuja-Creme. Ihre Mama gab mir auch gleich eine Flasche selbstgemachtes Maracuja-Konzentrat mit, fehlt mir nur noch das Rezept..
Ursprünglich wollten wir abends auf ein Rockkonzert einer bekannten Gruppe gehen. Da die Tickets allerdings für schlappische 6 Real verkauft wurden, hätten wir uns 4 Std vorher schon anstellen müssen... das wars nicht wirklich wert. Deswegen sind wir zur Avenida Paulista, die bestimmt teuerste Str. in Sao Paulo. Banken, Fast Food - Ketten, Museen (u.a. auch das schwebende rote MASP- Museu de Art Sao Paulo) und Shoppingcenters, die die Sachen verkaufen, die man sonst überall kriegt (z.B. DVD vom kürzlich erst erschienenen Kinofilm Babel, Handys für 5 Real, Fuma anstatt Pumashirts...) *lach* natürlich alles "legal" (legal bedeutet im brasilportu = toll)
Am So sind wir zum Centrobesichtigung aufgebrochen. Dabei mußten wir am Rio Pinheiro entlangfahren. Ich hab noch nie in meinem Leben einen solchen Stinkefluss gerochen - igitt. Der Fluß ist tot, besteht nur aus Abwasser und Chemikalien. Außerdem gibt es in der Nähe des Flughafens ein Hochhaus, das nicht fertiggebaut werden darf. Direkt in die Einflugschneise gebaut ;) Ich hatte sowieso schon beim Landen starke Bedenken, ob wir irgendwo reinkrachen werden. Du kannst ja fast schon in die Wohnungen gaffen.. Im Bauen sind die fiebrig. Neben modernen Hochhäusern, eines meinte Marcelo, wäre das WTC, sind die auch kräftig am kopieren. Gerade wird ein Eifelturm gebaut, durch den später eine "Autobahn" gehen wird. Im Centro gab es neben der Cathedral, dem Gründungsstein der Stadt, einigen historischen Gebäuden, der Fußgängerzonen mit den kleinen Gassen, Faculdade und Teatro Municipal, Viaduto de Chá, gab es auch die andere Seite Sao Paulos zu sehen. Halb vergammelten Hochhäusern, verdreckte Straßen, extrem arme Menschen, die wirklich auf der Straße wohnen. Verdreckt, verlumpt, teilweise hatten sie nicht mal mehr eine richtige Hose an, die wirklich vom und im Müll wohnen, 100te wenn nicht eher tausende. An jeder Ecke "zum Schutz" Polizei. Auf die Kamara aufpassen, Fotos-schießende-Touristen unter hungrigblickenden Augen. Regen.
Zum Mittagessen waren wir pünktlich beim Mercado Municipal angelangt. Dort gab es alles erdenkliche zu kaufen. Von Käse, Fleisch, Gewürzen, Öl, Süßigkeiten, Müsli, Ketchup, Früchte, Obst......... Außerdem einige kleine Restaurants, wo es die weitbekannten Spezialitäten wie Pastel de Bacalhau oder Mortadella-Sandwich gab. hmmmmmmmmmm Und natürlich Schlangestehen zum Essen holen.
Danach hieß es schon leider wieder aufbrechen zum Flughafen. Auf dem Weg dorthin, hatte das Fußballspiel - Sao Paulo gegen die Corinther angefangen. Ersterer ist der Lieblingsclub von Marcelo. Im Radio geht es hier wirklich ab. Die sprechen so schnell, dass ich kein einzes Wort verstehen kann (gut, nichts besonderes) aber sogar Brasilianer haben damit manchmal Schwierigkeiten. Wir mußten noch schnell an einer Tankstelle halten, damit er das Tor nochmal sehen konnte *lach* Aus Camilas und Marcelos Familie meinten sogar einige, dass sie den Ton im TV ausschalten, um im Radio mithören zu können, weil es 3mal interessanter ist ;) Leider hieß es dann schon Abschied nehmen :(((
Mein Flug war mit 15 Min Verspätung sogar pünktlich bestätigt. Durch starke Regenfälle konnte aber kurz nach Check-in kein Flieger mehr landen oder starten (das muss in der Stadt richtig reinhauen, neben Megastaus bis 200 km, kann man 4-5 mal im Jahr einige Straßen nicht befahren, sondern nur mit dem Boot passieren (ein Supermarkt hat sogar seine eigenen Boote!!) Abends um 11 kamen wir erst in Curtitiba an (8 war geplant). Durch Turbulenzen gab es weder was zu trinken noch den Müsliriegel (dass die nach der 2. Reihe mit Austeilen aufhören, weil das Lichtlein angeht, habe ich auch noch nie erlebt, nebenbei bemerkt, ich saß in der 3. Reihe!!). ;)
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